Anlagengröße für maximalen Direktverbrauch: Die optimale Dimensionierung ohne Stromspeicher

Viele Interessenten für Photovoltaik gehen von einer einfachen Annahme aus: Je größer die Anlage, desto besser. Doch gerade wenn Sie auf einen Stromspeicher verzichten, ist eine kleinere, clever dimensionierte Anlage oft die wirtschaftlichere Wahl. Eine bewusste Begrenzung der Anlagengröße, die sich am tatsächlichen Tagesverbrauch orientiert, maximiert den wertvollen Direktverbrauch und sorgt für einen schnelleren Return on Investment.
Das Grundprinzip: Warum Direktverbrauch entscheidend ist
Die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage ohne Speicher stützt sich auf ein zentrales Prinzip: den Direktverbrauch. Darunter versteht man den Anteil des selbst erzeugten Solarstroms, den Sie unmittelbar bei der Erzeugung in Ihrem Haushalt nutzen. Jede Kilowattstunde (kWh), die Sie direkt verbrauchen, müssen Sie nicht mehr teuer vom Energieversorger einkaufen.
Der Strom, den Sie nicht selbst verbrauchen, wird ins öffentliche Netz eingespeist. Dafür erhalten Sie eine gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung. Der entscheidende Punkt ist: Die Ersparnis durch eine selbst verbrauchte kWh ist deutlich höher als der Ertrag durch eine eingespeiste kWh. Aktuell sparen Sie rund 30 bis 40 Cent pro kWh, während die Einspeisevergütung oft bei unter 10 Cent liegt.
Ziel ist es daher, den Direktverbrauchsanteil so hoch wie möglich zu halten. Die größte Herausforderung dabei: Stromerzeugung und typischer Stromverbrauch stimmen zeitlich oft nicht überein.
Das Diagramm verdeutlicht das Problem: Eine PV-Anlage produziert den meisten Strom um die Mittagszeit. Der Stromverbrauch eines typischen Haushalts hat seine Spitzen hingegen morgens und abends – genau dann, wenn die Sonne wenig oder gar nicht scheint. Der Direktverbrauch ohne Speicher beschränkt sich daher auf diese Schnittmenge.
Die Strategie: Die Anlage am Tagesverbrauch ausrichten
Anstatt eine möglichst große Dachfläche mit Modulen zu belegen, konzentriert sich die Strategie des maximalen Direktverbrauchs darauf, vor allem die Grundlast und die typischen Tagesverbraucher zu decken. Die Grundlast ist der Strombedarf, der rund um die Uhr anfällt, beispielsweise durch Kühlschrank, Router und Stand-by-Geräte. In einem durchschnittlichen Haushalt liegt diese bei etwa 150 bis 300 Watt.
Eine PV-Anlage, die bereits in den Vormittagsstunden genug Strom erzeugt, um diese Grundlast zu decken, arbeitet von der ersten Sonnenstunde an wirtschaftlich. Produziert sie mittags mehr, kann dieser Strom für größere Verbraucher wie Waschmaschine, Geschirrspüler oder die Klimaanlage genutzt werden.
Die Erfahrung zeigt, dass eine Überdimensionierung schnell unwirtschaftlich wird. Eine Studie der HTW Berlin zum Thema Stromspeicher hat ergeben, dass selbst bei Anlagen mit Speicher eine zu große Auslegung kaum Vorteile bringt. Dieses Prinzip gilt für Anlagen ohne Speicher umso mehr. Das Ziel ist nicht, die maximal mögliche Strommenge zu erzeugen, sondern den maximal nutzbaren Strom.
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Faustregeln zur Orientierung
- Kleine Anlage, hoher Wirkungsgrad: Eine kleinere Anlage (z. B. 3–5 kWp) kann bei einem typischen Haushalt einen Direktverbrauchsanteil von 30–40 % erreichen.
- Große Anlage, sinkender Anteil: Bei einer sehr großen Anlage (z. B. 10 kWp oder mehr) auf demselben Dach wird zwar absolut mehr Strom erzeugt, doch der prozentuale Direktverbrauchsanteil sinkt ohne Speicher oft auf unter 25 %. Ein Großteil der Energie fließt dann für eine geringe Vergütung ins Netz.
Die Kosten einer PV-Anlage steigen mit der Größe. Eine kompaktere Anlage, deren Ertrag effizient genutzt wird, amortisiert sich daher oft schneller.
Den eigenen Verbrauch verstehen: Der erste Schritt zur optimalen Größe
Um die passende Anlagengröße zu finden, müssen Sie Ihren Stromverbrauch kennen – insbesondere den Verbrauch während der Sonnenstunden.
- Jahresstromverbrauch ermitteln: Werfen Sie einen Blick auf Ihre letzte Stromrechnung. Dort finden Sie Ihren Gesamtverbrauch in kWh. Ein typischer Vier-Personen-Haushalt verbraucht etwa 4.500 kWh pro Jahr.
- Tagesverbrauch analysieren: Schwieriger, aber entscheidend, ist die Verteilung dieses Verbrauchs über den Tag. Moderne digitale Stromzähler oder Smart Meter können diesen sogenannten Lastgang detailliert aufzeichnen.
- Verbrauchsgewohnheiten prüfen: Machen Sie sich bewusst, welche Geräte bei Ihnen tagsüber laufen. Arbeiten Sie im Homeoffice? Läuft die Waschmaschine oft mittags? Jedes Gerät, das Sie bewusst zwischen 10 und 16 Uhr nutzen, erhöht Ihren Direktverbrauch.
Mit diesen Informationen können Sie eine fundierte Entscheidung treffen. Eine erste Einschätzung für Ihr Dach und Ihren Verbrauch liefert Ihnen auch ein Photovoltaik Rechner, der solche Faktoren berücksichtigt.
Praxisbeispiele: Anlagengrößen für typische Szenarien
Die optimale Größe hängt stark von Ihrem Lebensstil ab. Hier drei typische Beispiele:
Szenario 1: Die Vier-Personen-Familie
Sind beide Eltern berufstätig und die Kinder in der Schule, ist der Stromverbrauch tagsüber gering und beschränkt sich meist auf die Grundlast.
- Jahresverbrauch: ca. 4.500 kWh
- Empfohlene Anlagengröße (ohne Speicher): 4 bis 6 kWp. Diese Größe deckt die Grundlast sicher ab und bietet Puffer für Verbraucher am Wochenende oder in den Ferien. Der Direktverbrauch lässt sich weiter optimieren, indem Großverbraucher wie die Spülmaschine gezielt per Zeitschaltuhr zur Mittagszeit gestartet werden.
Szenario 2: Das Paar im Homeoffice
Hier ist der Tagesverbrauch durch Computer, Monitore und andere Bürogeräte konstant hoch.
- Jahresverbrauch: ca. 3.000 kWh
- Empfohlene Anlagengröße (ohne Speicher): 3 bis 5 kWp. Eine solche Anlage kann den hohen Tagesbedarf oft vollständig decken. Der Direktverbrauchsanteil ist in diesem Szenario naturgemäß sehr hoch.
Szenario 3: Das Rentnerpaar
Da die Bewohner meist zu Hause sind, verteilt sich der Stromverbrauch gleichmäßig über den Tag.
- Jahresverbrauch: ca. 3.500 kWh
- Empfohlene Anlagengröße (ohne Speicher): 4 bis 6 kWp. Viele Haushaltsgeräte wie Herd, Staubsauger oder Fernseher laufen tagsüber und nutzen den Solarstrom direkt. Hier ist das Potenzial für einen hohen Direktverbrauch besonders hoch.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist eine kleine Anlage ohne Speicher überhaupt noch wirtschaftlich?
Ja, absolut. Aufgrund der hohen Strompreise ist jede selbst verbrauchte Kilowattstunde eine hohe Ersparnis. Die geringere Anfangsinvestition für eine kleinere Anlage ohne Speicher sorgt zudem für eine schnellere Amortisation.
Was passiert mit dem überschüssigen Strom?
Der Strom, den Sie nicht direkt verbrauchen, wird automatisch ins öffentliche Netz eingespeist. Dafür erhalten Sie vom Netzbetreiber die gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung. Der Strom geht also nicht verloren, wird aber deutlich geringer vergütet, als der selbst genutzte Strom wert ist.
Kann ich später einen Speicher nachrüsten?
Ja, das ist bei den meisten modernen Anlagen problemlos möglich. Viele Wechselrichter sind bereits „hybridfähig“, was bedeutet, dass ein Batteriespeicher einfach angeschlossen werden kann. Sie können also mit einer kleineren Anlage starten und diese später bei Bedarf erweitern.
Gilt dieses Prinzip auch für Mieter mit Balkonkraftwerken?
Ja, sogar in Reinform. Ein Balkonkraftwerk ist darauf ausgelegt, die Grundlast einer Wohnung zu decken und so den Direktverbrauch zu maximieren. Es ist die perfekte Umsetzung der „Weniger ist mehr“-Strategie im kleinen Maßstab.
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6.999,00 €Fazit: Weniger ist oft mehr
Die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage ohne Speicher ist eine strategische – sie zielt auf maximale Wirtschaftlichkeit bei minimaler Anfangsinvestition. Anstatt das Dach vollständig zu belegen, liegt der Fokus auf einer Anlagengröße, die zum realen Tagesverbrauch passt. Dieser Ansatz macht jede erzeugte Kilowattstunde besonders wertvoll und führt Sie auf dem schnellsten Weg in die Rentabilität.
Wenn Sie die technischen Grundlagen der Photovoltaik besser verstehen möchten, um Ihre Entscheidung auf eine solidere Basis zu stellen, finden Sie auf Photovoltaik.info zahlreiche weiterführende Artikel.
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