Alleinarbeit auf dem Dach: Was bei der PV-Montage ohne Helfer zu beachten ist

Alleinarbeit auf dem Dach: Was bei der PV-Montage ohne Helfer zu beachten ist
Das Wetter ist perfekt, die neuen Solarmodule stehen bereit, und am liebsten würden Sie sofort mit der Montage beginnen. Für viele engagierte Hausbesitzer ist die Versuchung groß, sofort loszulegen und alleine aufs Dach zu steigen. Doch gerade bei Arbeiten in der Höhe birgt Alleinarbeit erhebliche Risiken, die oft unterschätzt werden. Dabei geht es nicht nur um die offensichtliche Sturzgefahr, sondern auch um rechtliche Aspekte und die entscheidende Frage: Wer holt Hilfe, wenn etwas passiert?
Dieser Beitrag beleuchtet, was hinter dem Begriff Alleinarbeit auf dem Dach steckt, welche Sicherheitsvorkehrungen unverzichtbar sind und warum das Vier-Augen-Prinzip bei der Photovoltaik-Montage mehr als nur eine Empfehlung ist.
Was versteht man unter Alleinarbeit?
Der Begriff „Alleinarbeit“ ist im Arbeitsschutz klar definiert. Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) liegt Alleinarbeit vor, wenn eine Person allein, außerhalb von Ruf- und Sichtweite zu anderen Personen, Arbeiten ausführt. Entscheidend ist also nicht, ob sich jemand anderes auf dem Grundstück befindet, sondern ob im Notfall unmittelbare Hilfeleistung möglich wäre.
Für den gewerblichen Bereich gibt die DGUV Vorschrift 1 klare Regeln vor: Gefährliche Arbeiten dürfen nicht von Personen allein ausgeführt werden. Auch wenn diese Vorschriften nicht eins zu eins für private Bauherren gelten, so geben sie doch den Maßstab für sicheres Arbeiten vor. Im Schadensfall orientieren sich auch Versicherungen an diesen professionellen Standards, deren zentrale Aussage lautet: Alleinarbeit mit erhöhter Gefährdung ist nur zulässig, wenn eine wirksame Überwachung sichergestellt ist.
Die unterschätzten Risiken bei der Dachmontage

Die Montage einer Photovoltaikanlage auf dem Dach fällt unzweifelhaft in die Kategorie „gefährliche Arbeit“. Die Risiken gehen weit über einen simplen Fehltritt hinaus:
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Sturz aus der Höhe: Die häufigste und schwerwiegendste Gefahr. Eine kurze Unachtsamkeit, ein Windstoß oder das Stolpern über ein Kabel können fatale Folgen haben.
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Medizinische Notfälle: Ein Hitzschlag an einem sonnigen Tag, ein Kreislaufkollaps oder sogar ein Herzinfarkt werden auf einem Dach schnell lebensbedrohlich, da niemand den Notfall bemerkt.
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Herabfallende Gegenstände: Ein schweres Solarmodul oder ein Werkzeug, das Ihnen aus der Hand gleitet, kann nicht nur Sie selbst gefährden, sondern auch Personen oder Gegenstände am Boden. Ohne Helfer ist die sichere Handhabung großer Bauteile kaum zu bewältigen.
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Eingeschlossensein oder Hilflosigkeit: Was passiert, wenn Ihr Fuß unter einem Modul eingeklemmt wird oder die Leiter umstürzt und Sie nicht mehr vom Dach herunterkommen?
Ein typisches Szenario: Ein Heimwerker arbeitet allein auf dem Dach. Er verliert das Gleichgewicht und stürzt unglücklich, bleibt aber bei Bewusstsein auf der Dachfläche liegen. Sein Handy ist aus der Tasche gefallen und liegt unerreichbar. Ohne eine zweite Person, die den Vorfall bemerkt, können Stunden vergehen, bis Hilfe eintrifft.
Sicherheit geht vor: Unverzichtbare Vorkehrungen
Wenn Sie sich trotz aller Risiken entscheiden, bestimmte Vorbereitungsarbeiten allein durchzuführen, sind kompromisslose Sicherheitsmaßnahmen unerlässlich. Die Praxis zeigt jedoch, dass die eigentliche Montage der Module immer im Team erfolgen sollte.
1. Persönliche Schutzausrüstung (PSA) und Absturzsicherung

Die richtige Ausrüstung ist Ihre Lebensversicherung. Dazu gehören nicht nur Helm, Sicherheitsschuhe und Handschuhe, sondern vor allem eine professionelle Absturzsicherung. Ein solches System besteht aus drei Komponenten:
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Auffanggurt: Er wird am Körper getragen und verteilt die Kräfte im Falle eines Sturzes.
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Verbindungsmittel: Ein Seil oder Band, das den Gurt mit dem Anschlagpunkt verbindet, oft mit einem integrierten Falldämpfer.
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Anschlagpunkt: Ein fest mit dem Dachstuhl verbundener Punkt, der die Last eines Sturzes sicher aufnehmen kann.
Die Investition in eine geeignete persönliche Schutzausrüstung und das richtige Photovoltaik-Montagesystem ist gering im Vergleich zu den gesundheitlichen und finanziellen Folgen, die ein Unfall nach sich ziehen kann.
2. Überwachung und Notfallkommunikation sicherstellen
Dieser Punkt ist entscheidend, um den Anforderungen der DGUV gerecht zu werden. Da professionelle Personen-Notsignal-Anlagen (PNA), die automatisch Alarm auslösen, für den Privatgebrauch oft zu aufwendig sind, müssen Sie eine verlässliche Alternative schaffen:
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Die „Buddy-Methode“: Die sicherste Variante ist eine zweite Person vor Ort, die Sie ständig im Blick hat und im Notfall eingreifen oder Hilfe rufen kann.
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Regelmäßige Kontrollanrufe: Vereinbaren Sie mit einer Person feste Zeitintervalle (z. B. alle 30 Minuten), in denen Sie sich per Telefon melden. Entscheidend ist, ein klares Protokoll festzulegen, was passiert, wenn ein Anruf ausbleibt – etwa eine sofortige Kontrolle vor Ort, ein Anruf bei den Nachbarn oder der Notruf.
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Technische Hilfsmittel: Es gibt Smartphone-Apps, die eine „Totmannschaltung“ simulieren. Sie lösen einen Alarm aus, wenn das Handy über einen bestimmten Zeitraum nicht bewegt wird oder eine regelmäßige Bestätigung ausbleibt.
Ein griffbereites Mobiltelefon allein ist keine ausreichende Absicherung. Nach einem Sturz oder bei einem medizinischen Notfall sind Sie möglicherweise nicht mehr in der Lage, es zu bedienen.
3. Den Arbeitsplatz richtig vorbereiten

Sorgen Sie für Ordnung und sichern Sie Ihren Arbeitsbereich ab.
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Werkzeugsicherung: Sichern Sie Werkzeuge und Kleinteile gegen Herabfallen, zum Beispiel in Eimern oder mit Werkzeugleinen.
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Materialtransport: Planen Sie genau, wie Sie die Solarmodule und Montageteile sicher auf das Dach bekommen. Der Transport sperriger und schwerer Module erfordert grundsätzlich mindestens zwei Personen.
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Leiterzugang: Stellen Sie die Leiter auf festem Untergrund auf und sichern Sie sie am oberen Ende gegen Verrutschen. Nach der Arbeit sollte die Leiter entfernt werden, um Unbefugten den Zugang zu verwehren.
Fazit: Teamarbeit ist der beste Schutz
Der Wunsch nach einer schnellen Umsetzung ist verständlich – dennoch sollte bei Arbeiten auf dem Dach die Sicherheit immer an erster Stelle stehen. Die Risiken der Alleinarbeit sind erheblich und die Folgen können gravierend sein. Die Erfahrung von Installateuren und die Empfehlungen von Sicherheitsexperten sind daher eindeutig: Das Vier-Augen-Prinzip ist bei der Dachmontage keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Viele Kunden, die zunächst eine Eigenmontage planen, entscheiden sich nach Abwägung der Risiken für eine professionelle Installation oder organisieren sich zumindest qualifizierte Helfer. Das schützt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern stellt auch sicher, dass die Anlage fachgerecht und effizient installiert wird.
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Ist Alleinarbeit auf dem Dach für Privatpersonen gesetzlich verboten?
Nein, es gibt kein explizites Gesetz, das es Privatpersonen verbietet. Sie sind jedoch für Ihre eigene Sicherheit selbst verantwortlich. Im Falle eines Unfalls kann es zu Problemen mit der Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung kommen, wenn grundlegende Sicherheitsregeln grob fahrlässig missachtet werden.
Was ist die wichtigste Sicherheitsmaßnahme bei Dacharbeiten?
Die absolut wichtigste Maßnahme ist eine funktionierende Absturzsicherung. Dazu gehören ein Auffanggurt, ein Verbindungsmittel und ein sicherer Anschlagpunkt. Ohne diese Ausrüstung sollten Sie ein Dach gar nicht erst betreten.
Reicht ein Handy in der Tasche als Notfallkommunikation aus?
Nein, ein Handy allein ist unzureichend. Wenn Sie bewusstlos oder handlungsunfähig sind, können Sie keinen Notruf mehr absetzen. Eine aktive Überwachung durch eine zweite Person oder feste Kontrollanrufe sind deutlich sicherer.
Gelten diese Regeln auch für ein Flachdach?
Ja, die Grundprinzipien gelten auch hier. Obwohl die unmittelbare Gefahr des Abrutschens geringer ist, besteht an den Dachkanten weiterhin Absturzgefahr. Auch bei der Arbeit an einer Flachdach-Photovoltaik können medizinische Notfälle oder andere Unfälle passieren, bei denen eine schnelle Hilfeleistung entscheidend ist.
Kann ich die Module nicht einfach allein aufs Dach heben?
Ein Standard-Solarmodul wiegt zwischen 20 und 25 kg und ist sehr unhandlich. Der Versuch, ein solches Modul allein sicher auf eine Leiter und dann auf das Dach zu manövrieren, ist extrem gefährlich und praktisch kaum zu bewältigen.
Sicherheit ist die Grundlage für jede erfolgreiche Photovoltaik-Installation. Informieren Sie sich daher umfassend über die notwendigen Vorkehrungen, bevor Sie mit der Montage Ihrer Anlage beginnen.
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