Abnahme von PV-Anlagen: Besondere Prüfpunkte für Flachdach, Blechdach und Fassade

Eine neue Photovoltaikanlage auf dem Dach ist ein Grund zur Freude, steht sie doch für mehr Unabhängigkeit, Kosteneinsparungen und einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Doch nach der Montage durch den Fachbetrieb folgt ein entscheidender Schritt: die Abnahme.
Gerade bei Dachkonstruktionen, die vom klassischen Ziegeldach abweichen, gibt es besondere Herausforderungen. Eine sorgfältige Prüfung stellt sicher, dass Ihre Investition für die nächsten Jahrzehnte sicher und ertragreich bleibt.
Wir zeigen Ihnen, worauf Sie bei der Abnahme von PV-Anlagen auf Flachdächern, Blechdächern und an Fassaden besonders achten sollten. Denn die Qualität der Montage ist mindestens so wichtig wie die der Module selbst.
Warum der Dachtyp die Montageregeln bestimmt
Jede Dachform hat ihre eigene Statik, Materialbeschaffenheit und Witterungsanfälligkeit. Eine Montagemethode, die auf einem Ziegeldach perfekt funktioniert, kann auf einem Flachdach zu Undichtigkeiten oder auf einem Blechdach zu Materialermüdung führen.
Deshalb ist die Abnahme kein reiner Formalakt, sondern Ihre wichtigste Qualitätskontrolle. Sie stellt sicher, dass Unterkonstruktion, Befestigung und Abdichtung exakt auf die Gegebenheiten vor Ort abgestimmt sind.
Die Besonderheiten des Flachdachs: Ballast und Schutz
Flachdächer, typisch für Bungalows, Garagen oder moderne Gewerbebauten, erlauben oft keine direkte Verankerung in der Dachhaut, um die empfindliche Abdichtung nicht zu verletzen. Stattdessen werden die Solarmodule auf speziellen Gestellen montiert, die durch Gewichte (Ballastierung) an Ort und Stelle gehalten werden.
Worauf Sie bei der Abnahme achten sollten:
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Korrekte Ballastierung: Entscheidend ist, dass das Gewicht ausreicht, um die Anlage auch bei starkem Sturm sicher zu halten. Der Installateur muss eine Windlastberechnung vorlegen, die auf den spezifischen Standort und die Gebäudehöhe abgestimmt ist. Als Faustregel gilt, dass pro Quadratmeter Modulfläche oft 50 kg und mehr an Ballast nötig sind. Fragen Sie gezielt nach diesem Nachweis.
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Schutz der Dachhaut: Unter den Auflagepunkten der Unterkonstruktion müssen Schutzmatten liegen. Diese verhindern, dass die Dachabdichtung (z. B. Bitumen- oder Folienbahnen) durch Druck oder Reibung über die Jahre beschädigt wird. Prüfen Sie, ob diese Matten flächendeckend und korrekt positioniert sind.
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Wasserabfluss: Die aufgeständerte Konstruktion darf den Wasserabfluss nicht behindern. Kontrollieren Sie, ob Regenwasser weiterhin ungehindert zu den Abläufen fließt und sich keine Pfützen bilden.
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Abstände und Ausrichtung: Sind die Sicherheitsabstände zum Dachrand eingehalten worden? Erfahrungsgemäß werden hier oft Fehler gemacht. Zudem ist die Ausrichtung der Photovoltaik entscheidend für den Ertrag. Die Aufständerung auf einem Flachdach ermöglicht eine ideale Ausrichtung nach Süden mit optimalem Neigungswinkel.

Praxisbeispiel: Flachdach-Bungalow
Ein Eigenheimbesitzer lässt eine 8-kWp-Anlage auf seinem Flachdach-Bungalow installieren. Bei der Abnahme stellt er fest, dass an einigen Stellen keine Schutzmatten verlegt wurden. Er besteht auf Nachbesserung, um langfristige Schäden an seiner Dachabdichtung zu vermeiden – eine kluge Entscheidung, die ihn vor teuren Folgeschäden bewahrt.
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Ab 1.299,00 €Das Blechdach: Dichtigkeit ist alles
Blechdächer (z. B. aus Trapezblech oder mit Stehfalz) sind langlebig und robust, was sie zu einem idealen Untergrund für PV-Anlagen macht. Die Herausforderung liegt hier in der Durchdringung der Metallhaut. Jedes Bohrloch ist eine potenzielle Schwachstelle für eindringende Feuchtigkeit.
Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) unterstreicht die Bedeutung dieses Punktes: Ein Großteil der Installationsfehler auf Metalldächern entsteht durch eine unsachgemäße Abdichtung der Befestigungspunkte, was über die Jahre zu Feuchtigkeitsschäden führen kann.
Worauf Sie bei der Abnahme achten sollten:
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Professionelle Abdichtung: Bei Trapezblechdächern kommen oft sogenannte Stockschrauben zum Einsatz. Achten Sie darauf, dass diese mit hochwertigen EPDM-Dichtungen versehen sind, die UV-beständig sind und über Jahrzehnte elastisch bleiben. Wichtig ist dabei: Die Schraube muss auf dem Hochsicken (dem „Berg“ des Blechs) montiert werden, nicht in der wasserführenden Tiefsicke (dem „Tal“).
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Korrekte Befestigung: Für Stehfalzdächer gibt es spezielle Klemmen, die den Falz umgreifen, ohne das Blech zu durchbohren. Dies ist die sicherste und schonendste Methode. Wurde diese Technik angewendet?
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Keine Metallspäne: Nach dem Bohren müssen alle Metallspäne sorgfältig vom Dach entfernt werden. Verbleibende Späne können rosten und die Dachbeschichtung angreifen (Flugrost).
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Thermische Ausdehnung: Metall dehnt sich bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte zusammen. Die Montagekonstruktion muss diese Bewegungen aufnehmen können, ohne dass Spannungen entstehen.

Praxisbeispiel: Carport mit Trapezblechdach
Auf einem Carport mit Trapezblechdach wird eine kleine PV-Anlage montiert. Der Eigentümer prüft bei der Abnahme stichprobenartig die Verschraubungen und vergewissert sich, dass die Dichtungen fest anliegen und keine Späne zurückgeblieben sind. So kann er sicher sein, dass sein Dach auch in Zukunft dicht bleibt.
Die Fassade: Wenn die Hauswand zum Kraftwerk wird
Fassaden-PV-Anlagen sind nicht nur ein architektonisches Statement, sondern auch eine clevere Lösung bei begrenzter Dachfläche. Die vertikale Montage stellt jedoch besondere Anforderungen an Statik, Sicherheit und Planung.
Worauf Sie bei der Abnahme achten sollten:
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Sichere Verankerung: Die Halterungen müssen fest im tragenden Mauerwerk verankert sein, nicht nur in der Außendämmung oder Verkleidung. Ein Auszugstest oder ein entsprechender statischer Nachweis sorgt hier für Sicherheit.
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Professionelles Kabelmanagement: Alle Kabel müssen sicher, witterungsgeschützt und möglichst unsichtbar verlegt werden. Sie dürfen keiner mechanischen Belastung ausgesetzt sein und müssen zudem vor UV-Strahlung geschützt werden.
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Brandschutz: Insbesondere bei gedämmten Fassaden sind die Brandschutzvorschriften strikt einzuhalten. Fragen Sie den Installateur, wie die Vorgaben (z. B. zur Kabelführung) umgesetzt wurden.
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Verschattungsanalyse: Wurde der mögliche Schattenwurf durch das eigene Gebäude (z. B. Balkone, Dachvorsprünge) bei der Planung berücksichtigt? Eine falsche Positionierung kann den Ertrag erheblich mindern.

Übergreifende Prüfpunkte für jede Anlage
Unabhängig vom Dachtyp gibt es allgemeine Punkte, die bei keiner Abnahme fehlen dürfen:
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Vollständige Dokumentation: Lassen Sie sich alle Unterlagen aushändigen. Dazu gehören das Abnahmeprotokoll, Datenblätter der Komponenten (Module, Wechselrichter), der Nachweis der Anmeldung beim Netzbetreiber und ein String-Plan.
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Elektrische Sicherheit: Sind alle Kabel sauber in Schutzrohren verlegt? Ist der Photovoltaik Wechselrichter fachgerecht angeschlossen und gut zugänglich?
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Funktionstest: Die Anlage sollte bei der Abnahme in Betrieb genommen werden. Prüfen Sie gemeinsam mit dem Installateur auf dem Display des Wechselrichters oder in der Monitoring-App, ob die Anlage Strom produziert und alle Werte plausibel sind.
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9.999,00 €Häufig gestellte Fragen zur Abnahme (FAQ)
Was genau ist ein Abnahmeprotokoll?
Das Abnahmeprotokoll ist ein offizielles Dokument, in dem der Zustand der Anlage bei der Übergabe festgehalten wird. Installateur und Betreiber bestätigen mit ihrer Unterschrift, dass die Anlage ordnungsgemäß und frei von Mängeln errichtet wurde. Eventuelle Restarbeiten oder festgestellte Mängel werden hier mit einer Frist zur Behebung vermerkt.
Wer führt die Abnahme durch?
Die Abnahme erfolgt in der Regel gemeinsam durch den verantwortlichen Installateur und Sie als Anlagenbetreiber. Es ist Ihr Recht und Ihre Pflicht, die Installation kritisch zu prüfen und Fragen zu stellen.
Was passiert, wenn ich Mängel entdecke?
Werden Mängel festgestellt, müssen diese im Protokoll genau beschrieben werden. Sie haben das Recht auf eine kostenlose Nachbesserung innerhalb einer angemessenen Frist. Erst wenn alle Mängel behoben sind, sollte die Schlussrechnung vollständig bezahlt werden.
Brauche ich einen unabhängigen Sachverständigen?
Bei Standardanlagen ist ein Sachverständiger meist nicht nötig. Bei sehr großen oder komplexen Projekten oder wenn Sie sich unsicher fühlen, kann ein unabhängiger Gutachter zusätzliche Sicherheit geben. Die damit verbundenen Photovoltaik Kosten sollten Sie jedoch im Vorfeld abwägen.
Fazit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Die Installation einer PV-Anlage auf einem Flach-, Blech- oder Fassadendach erfordert spezielles Fachwissen. Eine sorgfältige Abnahme ist deshalb der entscheidende Schritt, um die Qualität und Sicherheit Ihrer Investition langfristig zu gewährleisten. Nehmen Sie sich die Zeit, die kritischen Punkte für Ihren Dachtyp genau zu prüfen.
Bei Photovoltaik.info legen wir Wert darauf, dass Sie nicht nur die passenden Komponenten, sondern auch das notwendige Wissen für einen sicheren und ertragreichen Betrieb Ihrer Anlage erhalten.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur Planung Ihrer Anlage finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.



