PV-Anlagen ohne EEG-Förderung

30. September 2014 | Von | Kategorie: Förderungen

Nach ihrer Förderperiode beeinflussen Anlagen ungeförderte Energiemärkte wettbewerbsverträglich.

Zwischen 1991 und 1995 nahmen 2.250 netzgebundene PV-Anlagen ihren Betrieb auf [Jahn: Photovoltaik-Anlagen, FVS Themen, 2003]. 1991 ging wohl eine der ersten PV-Anlagen Deutschlands in Moosburg an der Isar mit gut einem Kilowatt ans Netz [Solarfreunde Moosburg e.V.: Das Ziel sind 100 Prozent erneuerbare Energien, 2007].

Anfang 2000 zeigte sich bundesweit eine installierte Gesamtleistung von 100 Megawatt [Fabeck: Wie kam es zur Vollbremsung bei der Solarförderung, SFV e.V., 2010].

In 2010 implizierten Zahlen der Bundesnetzagentur im Mittel etwa 22 Kilowatt je Anlage [KlimAktiv: Bundesnetzagentur: Über drei Gigawatt mehr Solaranlagen im ersten Halbjahr, 2010]. Damit verteilten sich obige 100 MW auf gut 4.500 Anlagen Anfang 2000. Diese Zahl harmoniert mit jenen 2.250 Anlagen aus 1995, womit die 22 kW bereits das Leistungsmittel der 90er hinreichend charakterisieren.

Von 1991 bis Ende 1999 kamen diese 4.500 Anlagen also im Schnitt mit 500 Einheiten je Jahr hinzu, falls wir lineares Wachstum annehmen.

Ab Anfang 2000 bis Ende 2011 erfolgte ein Leistungszubau von 7.500 Megawatt [SFV e.V.]. Von Januar bis April 2012 betrug jener Zubau dann 2.300 MW [Proteus Solutions: Aktuelle Statistiken für Photovoltaik-Zubau verfügbar, 2012]. Damit addierten sich also insgesamt 9.800 Megawatt von Anfang 2000 bis April 2012.

In diesen gut 12 Jahren verteilten sich jene knapp 10 Gigawatt bei 22 kW/Anlage rechnerisch damit auf gut 450.000 neue Anlagen. Diese kamen also mit einer mittleren Rate von knapp 40.000 Einheiten je Jahr hinzu, falls wir lineares Wachstum annehmen.

In 2014 gehen wir von 30 Gigawatt installierter Leistung in gut 970.000 Anlagen aus [Proteus Solutions]. Jene knappe Million Anlagen aus 23 Jahren seit 1991 entspricht also auch etwa 40.000 Einheiten pro Jahr als mittleren Rate.

Diese eine Million Anlagen inklusive der vernachlässigbaren 4.500 Einheiten der 90er kamen real jedoch erst ab Anfang 2000 über nur 14 Jahre zusammen – mit gemittelt etwa 70.000 Installationen je Jahr. Allerdings flacht dieses stärkere Wachstum künftig wieder ab, so wie es in den 90ern auch zaghaft begann. Wir berücksichtigen dies, indem wir bei obiger Rate von 40.000 Einheiten bleiben.

Das EEG 2000 trat am 29. März jenes Jahres in Kraft. Für Neuanlagen als Systeme mit späterem Betriebsstart garantiert §9(1) Mindestvergütungen über 20 Jahre. Diese Periode startet je Anlage mit dem nächsten 1. Januar nach Inbetriebnahme.

Altanlagen als Installationen mit früherem Betriebsstart gelten dabei gesetzlich als Anlagen aus 2000. Damit enden Vergütungen für alle obigen 4.500 Altanlagen aus den 90ern also am 31. Dezember 2020, nämlich 20 Jahre nach dem 1. Januar 2001.

Lebensdauern von PV-Anlagen liegen bei 30 bis 40 Jahren [solarenergie-mv: Wegweiser Photovoltaik: Häufige Fragen, EAB-Solar, 2014], weswegen wir von 35 Jahren ausgehen. Weiterhin fahren Betreiber ihre Anlagen aus ökonomischen Gründen wahrscheinlich mindestens bis zum Vergütungsende, also bis zum Ende des 20. vollendeten Jahres nach Inbetriebnahme. Danach befinden sich jene Anlagen demnach im ungeförderten Markt, wo sie also höchstens für ca. 15 Jahre bis zu ihrem Betriebsende bleiben.

Diesen realen Markt betreten besagte 4.500 Altanlagen gemeinsam, nämlich am 1. Januar 2021, mit ihren 100 Megawatt Gesamtleistung. Ebenfalls ab dann folgen jedes Jahr maximal obige 40.000 Anlagen zu 22 kW mit 880 Megawatt, also knapp 900 Megawatt.

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Damit sammeln sich Anlagen ab 2021 über 15 Jahre im ungeförderten Markt. Diesen verlassen entsprechend 40.000 Neuanlagen jedes Jahr ab 2036. Für diese Periode um 2030 fragen wir, ob sie Verzerrungen ungeförderter Teilmärkte zeigt: Immerhin betreten zuvor geförderte PV-Anlagen amortisiert und eingespielt den ungeförderten deutschen Energiemarkt mit ihren künstlichen Wettbewerbsvorteilen. Damit fragt sich also, ob jene Anlagen wesentlich zum bundesweiten Energiebedarf um 2030 beitragen.

In deutschen Breitengraden ergeben sich pro Jahr etwa 850 kWh Energie aus einem Kilowatt PV-Leistung [solarenergie-mv]. Die obigen 900 Megawatt aus 40.000 Anlagen pro Jahr entsprechen damit 765.000.000 kWh. Da 3.600 Kilojoule eine Kilowattstunde darstellen, erhalten wir etwa 2,8 Petajoule. Diese Energie deckt lediglich ein Drittel eines Promille des deutschen Bedarfs von 7.800 PJ in 2030 [ZEW, Die Entwicklung der Energiemärkte bis 2030, 2010].

Allerdings addieren sich jene jährlichen Beiträge über die betrachteten 15 Jahre zu fünf Promille oder einem halben Prozent. Doch auch so verzerren die dann ehemals geförderten PV-Anlagen reale Teilmärkte wohl kaum. Erheblich geringere und nur einmalige Energiebeiträge der Altanlagen in 2021 lassen sich völlig ignorieren.

Selbst die diskutierte höhere Rate von 70.000 Einheiten ändert keine Größenordnungen im betrachteten Szenario.

Ab dem Ende des PV-Wachstums entstehen mit Sättigung des ungeförderten Solarmarktes Fließgleichgewichte aus hinzukommenden und abtretenden Anlagen.

Photovoltaikanlagen ohne EEG-Förderung

Photovoltaikanlagen ohne EEG-Förderung

Fazit

Nach dem Ende ihrer EEG-Förderung verzerren PV-Anlagen reale Energiemärkte nur unwesentlich: Deren ernsthafte Störung würde drastische Zunahmen geförderter Anlagen in kurzer Zeit erfordern, die sich nicht andeuten.

Damit bleiben Konkurrenten ehemals geförderter PV-Anlagen von deren künstlichen Wettbewerbsvorteilen verschont. Zu diesen Mitbewerbern zählen womöglich auch künftige PV-Anlagen, die keine EEG-Förderung erfahren.

Offen bleiben hier jedoch die Grenzen des PV-Wachstums: Welche installierte Leistung sättigt den deutschen Energiemarkt wann?

 

geschrieben von: Patrick Thoma

Patrick Thoma

Patrick Thoma ist im Bereich der Erneuerbaren Energien tätig. Er ist Autor und Herausgeber der Seite Photovoltaik.info auf der es um allgemeine Themen der Photovoltaik geht. Ziel der Seite ist es, Themen zu behandeln die einen Interessenten für eine Photovoltaikanlage beschäftigen und diese in einfachen Worten zu erklären.

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