Billig oder teuer? Teil 3: Der Wechselrichter

25. Oktober 2013 | Von | Kategorie: Photovoltaik Einführung

Früher absolut uninteressant beim Thema Geld sparen, ist der Wechselrichter mittlerweile einer der Hauptkomponenten des Preises. Damit sind der Preiskampf und der Wettbewerb längst bei diesem Bauteil angekommen. Hier bekommen Sie eine kleine Hilfestellung, auf was es ankommt und worauf Sie Ihre Prioritäten legen sollten.

Der Wechselrichter für Photovoltaikanlagen

Der Wechselrichter für Photovoltaikanlagen

Ein- oder dreiphasiger Wechselrichter (WR)

Das große Thema ist häufig, ob man zwingend wirklich drei Phasen benötigt. Wir wollen hier jetzt nicht auf die Details eingehen, was ein salierender Stromzähler ist und was das mit dem drei Phasen WR zu tun hat. Bei Anlagen unter 5 kW kann prinzipiell ein einphasiger WR in Betracht gezogen werden. Wenn Sie den Strom in das öffentliche Netz einspeisen, hat ein Dreiphasen-WR für Sie im Grunde keinerlei Vorteile. Im Gegenteil, meist sind kleine WR mit einer Phase effizienter als WR in der gleichen Größe mit drei Phasen. Wenn Sie also einspeisen und keinen Eigenverbrauch planen ist dieser Punkt für Sie völlig irrelevant. Der Planer muss lediglich die Vorschriften beachten, die ab einer bestimmten Größe eben drei Phasen vorschreiben, was Sie als Endkunde aber nicht zu interessieren braucht, dafür haben Sie einen Fachmann.

Anders sieht es aus, wenn Sie Eigenverbrauch planen. Da fast alle neuen Anlagen vorwiegend für den Eigenverbrauch gedacht sind, stellt sich dieses Thema damit immer wieder. In der Regel verwenden Sie in Ihrem Haus drei Phasen des Stromes. An jeder Phase hängen verschiedene Geräte, die den Strom aus dem Netz beziehen. Was auf welcher Phase liegt, konnte Ihnen bis dahin völlig egal sein. Das ändert sich jetzt! Wenn Sie einen einphasigen WR installieren lassen, müssen Sie sich für eine Phase des Netzes entscheiden, an der Sie den WR anschließen. Entsprechend können dann auch nur die Geräte den selbst erzeugten Strom verbrauchen, die genau an dieser Phase angeschlossen sind. Je nachdem wie Ihre Geräte verteilt sind, kann es hier zu großen Einbußen im Eigenverbrauch kommen.

Was also tun?

Viele kleine Anlagen sind deutlich unterhalb von 5 kW. In dieser Anlagengröße gibt es oft nicht einmal einen passenden WR mit drei Phasen. Wenn doch, dann oft mit hohen Kosten und anderen Nachteilen. Ab einer Anlagengröße von 5 kW oder darüber ist das Angebot dann deutlich besser. Daher sollten Sie sich, falls Sie eine Anlage mit 5 kW haben oder mehr und gezielt auf den Eigenverbrauch setzen, auf jeden Fall ein 3-Phasen-Gerät anschaffen. Ist Ihre Anlage kleiner als 5 kW, hängt es von Ihrer Konstellation im Haus ab, ob sich ein Drei-Phasen-WR lohnt.

Tipp: Meist ist es ein Leichtes, die Stromverbraucher, auf die es ankommt auf genau die Phase legen zu lassen, auf die Sie den WR schalten wollen. Fragen Sie daher Ihren Planer, welche Geräte sich für den Eigenverbrauch eignen, an welcher Phase diese gerade angeschlossen sind und ob man sie im Zuge einer Eigenverbrauchsoptimierung ohne viel Mehraufwand „nachrüsten“ kann.

Batterieanschluss möglich?

Für den Fall, dass Sie von Anfang an auf einen Stromspeicher in Form einer Batterie setzen wollen, werden Ihnen so oder so nur WR angeboten, die dafür geeignet sind. Wenn Sie aber der Meinung sind, dass Batterien aktuell noch zu teuer sind und Sie sich das „später mal“ überlegen wollen, sollten Sie nicht vergessen, dass man nicht jedes System später mit einer Batterie erweitern kann. Wenn Ihnen die Nachrüstbarkeit eines Batteriespeichers wichtig ist, fragen Sie explizit nach! Falls nicht, können Sie diesen Punkt außer Acht lassen.

Überwachung ja oder nein?

Manche WR haben eine eingebaute Lösung für die Überwachung Ihrer Anlage über das Netz. Andere haben nur eine Anzeige, in der angezeigt wird, wie viel Strom der WR im Augenblick liefert. Wenn Sie Ihre Anlage überwachen wollen, oder zumindest die Voraussetzung dafür schaffen wollen für die Zukunft, dann sollten Sie auf diesen Punkt achten. Legen Sie  auf die Überwachung keinen Wert und Ihnen wird ein High-End-Gerät angeboten mit eingebauter Überwachung, bezahlen Sie eine Leistung, die Sie ggf. gar nicht nutzen.

Der Wirkungsgrad

Auch WR haben Verluste. Diese verstecken sich im Wirkungsgrad des WR. Das Problem hierbei: Die Module bringen mal mehr und mal weniger Leistung. Entsprechend muss der WR auch immer in verschiedenen Arbeitspunkten arbeiten. Hinzu kommen Verluste des WR, wenn er sich gerade auf eine Änderung der Leistung einstellt (z. B. wenn es plötzlich bewölkt ist). Oft wird der maximale Wirkungsgrad eines WR angegeben. Dieser sagt aber nur aus, wie gut ein WR in seinem OPTIMALEN Punkt arbeitet, in dem er aber die meiste Zeit eben nicht arbeiten wird.

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Aus diesem Grund wurde eine Art Norm entwickelt: Der Europäische Wirkungsgrad. Dieser berechnet aus verschiedenen Faktoren einen Gesamtwirkungsgrad. Wenn Sie Wirkungsgrade vergleichen wollen, nehmen Sie daher IMMER den Europäischen Wirkungsgrad als Maßstab. Ob dieser Wirkungsgrad dem tatsächlichen widerspiegelt sei dahin gestellt, zumindest ist er hilfreich dabei, zwei verschiedene WR miteinander zu vergleichen. Der maximale Wirkungsgrad eines WR ist im Grunde für Sie als Kunden völlig irrelevant.

Achtung: Der Wirkungsgrad ist nicht alles, behalten Sie die Kosten im Blick. Hier sollten Sie sich im Zweifel ausrechnen lassen, was für ein Mehrertrag zu erwarten ist und ob dieser einen ggf. höheren Preis berechtigt oder nicht.

Die Garantien

Auch Hersteller von Wechselrichtern bieten Garantien auf die Lebensdauer der Geräte an. Anders als bei dem Modul, bei dem Sie auch bis zu 30 Jahre Leistungsgarantie bekommen können, sind die Wechselrichterhersteller sehr viel zurückhaltender bei solchen Zusagen. Das hat einen einfachen Grund: Wechselrichter sind sehr viel anfälliger als Photovoltaikmodule. Daher sollten Sie gerade bei Wechselrichtern darauf achten, welche Garantien Ihnen geboten werden. Hier zählt jedes Jahr, und Garantieverlängerungen sind meist relativ teuer, weil viele Geräte keine 20 Jahre durchhalten werden. Am Ende müssen Sie entscheiden, ob Sie lieber ins Risiko gehen und hoffen, dass Ihr WR besonders lange hält oder ob Sie sich das mit einer Anschlussgarantie absichern lassen wollen.

Hochpreisige WR von namhaften Herstellern werden wohl mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit lange fehlerfrei laufen als günstige WR. Bei guten Herstellern können Sie sich sogar die kompletten 20 Jahre absichern lassen und wissen damit schon vorab, was auf Sie zukommt, ohne Überraschungen.

Tipp: Es muss nicht immer die Vollabsicherung sein. Lassen Sie sich ausrechnen, was ein Austausch kosten würde, evtl. macht es Sinn, hier Geld zu sparen und einen Austausch mehr einzuplanen. Im Vergleich ist ein Austausch des WR deutlich einfacher als der Austausch von einzelnen Photovoltaikmodulen.

Made in Germany oder Made in China?

Bei Wechselrichter sind die Qualitätsunterschiede noch besonders hoch. Viele asiatische Hersteller sind gerade erst am Anfang ihrer Entwicklung. Die beste Qualität bekommen Sie daher wohl mit Produkten namhafter Hersteller aus Deutschland und Europa. Trotzdem lohnt sich ein Preisvergleich. Der WR wird immer bedeutender in der Preiskalkulation und kann einen erheblichen Anteil dazu leisten, dass die Photovoltaikanlage günstiger wird.

Zusatztechnik

Vergleichen Sie immer gleiches mit Gleichem. Es gibt mittlerweile WR, die einem Heimcomputer in fast nichts nachstehen. Sie managen Ihren Stromverbrauch per Touchscreen und optimieren damit den Eigenverbrauch. Überlegen Sie sich einfach, was Ihnen wichtig ist und lassen Sie sich entsprechende Geräte anbieten. Nicht, dass Sie sich über einen günstigen Preis freuen und dann die erhofften Optionen vermissen oder umgekehrt.

Zusammenfassung

Genau wie die Module ist der Wechselrichter ein sehr relevanter Bestandteil der Gesamtanlage. Der Wirkungsgrad des WR entscheidet mit über die Wirtschaftlichkeit Ihrer Anlage. Es lohnt sich also, auch hier bestimmte Teile zu vergleichen und nicht blind dem Installateur zu vertrauen.

Kernaussagen:

  • „Made in Germany“ ist beim WR meist noch deutlich besser als „Made in China“
  • WR fallen deutlich häufiger aus als Module
  • Die Garantien sind damit noch wichtiger als bei den Modulen
  • Für den Eigenverbrauch sind 3 Phasen besser als eine
  •  Bei einer Phase sollten Sie auf eine Eigenverbrauchsoptimierung bestehen
  • Je höher der EU-Wirkungsgrad, desto besser
  • Achten Sie darauf was Sie an Zusatzleistungen jetzt und später (Nachrüstbarkeit) haben wollen

Interessante Links zum Thema:

Auf dieser Webseite:

Komponenten für Photovoltaikanlage
Photovoltaikanlage – wie verteilen sich die Kosten?

Auf anderen Webseiten:

Photovoltaik Wechselrichter – Arten und Typen

 

geschrieben von: Patrick Thoma

Patrick Thoma

Patrick Thoma ist im Bereich der Erneuerbaren Energien tätig. Er ist Autor und Herausgeber der Seite Photovoltaik.info auf der es um allgemeine Themen der Photovoltaik geht. Ziel der Seite ist es, Themen zu behandeln die einen Interessenten für eine Photovoltaikanlage beschäftigen und diese in einfachen Worten zu erklären.

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